Bernina Bahn Mitropa Speisewagen - WAGI Museum Schlieren

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Bernina-Bahn MITROPA-Speisewagen B4ü 161–162

Dokumentation und Text: Florian Huber / rhb-info.ch

Die vierachsigen Drehgestellwagen mit BB-Betriebsnummern B4ü 161 und 162 wurden von Schlieren am 22.12.1928 an die Berninabahn geliefert. Diese Wagen haben eine Länge von je 15.270 m über Puffer, eine maximale Breite von 2.5 m und wiegen 18.2 t. Der Wagenkasten besteht ausschliesslich aus Eisen und Stahl. Die auf jedes Rad wirkende Bremse ist achtklötzig und kann von Hand oder durch Vakuum betätigt werden. Die Wagenübergänge sind besonders flexibel konstruiert, um in den vielen Kurven von nur 45 m Radius, in denen die Wagenenden sich in der Querrichtung stark gegeinander verschieben, einen gefahrlosen Übergang zu ermöglichen.


Werksfoto B4ü 162 im Jahr 1928 Bild: SWS Archiv Schlieren

Auch bei diesem Speisewagen wurde besondere Aufmerksamkeit auf seine Eigenschaft als Aussichtswagen gelegt. Die ganzen Seitenwände des Speiseraums wurden als grosszügige Fenster ausgebildet, die einen ungehinderten Blick ins Freie ermöglichen. Die Wände und Decken sind mit ausgesuchtem kaukasischem Nussbaummaser verkleidet, die Polster der Stühle rostbraun. Eine kleine Verfeinerung liegt noch in der leichten Abschrägung der Vierertisch-Enden, was in Verbindung mit den beweglichen Armsesseln die Behaglichkeit noch erhöht.


Blick in den Speisewagen. Bild: Mitropa

Die Wagen wurden nach dem Vorbild der MOB als luxuriöse Speisesaalwagen in Betrieb genommen. Erstmals bei der Berninabahn erhielten die Wagen einen geschlossenen Faltenbalgübergang und waren zusammen mit den 1929  gelieferten Personenwagen C4ü, den Gepäckwagen F 195/196 und der Lokomotive Nr. 82 als “train direct”-Luxuszug Mailand-St.Moritz geführt.  


Bildquelle: RhB

Ab 2. September bis 8. Oktober 1939 galt der Kriegsfahrplan. Schon 1936 stand im Kursbuch der Vermerk “Speisewagen verkehrt bis auf weiteres nicht”. Abgesehen von ein paar wenigen Spezialeinsätzen blieben die Wagen mehrheitlich in Poschiavo abgestellt. Die Tage der Luxuszüge am Bernina waren gezählt.

Die Berninabahn überfährt in Campocologno die Schweizergrenze und endet  erst in Tirano, Italien. Um Schwierigkeiten am Zoll für die kurze Strecke auf italienischem Staatsgebiet zu vermeiden, wurde die Küche vom Speisewagen getrennt und in einem speziellen zweiachsigen Wagen untergebracht, der in Campocologno stehen bleibt.

Der Küchenwagen Xü 31 wurde durch Umänderung eines vorhandenen Güterwagens (ex. K 208) der Berninabahn von der Bahn selbst eingerichtet. Die Kocheinrichtungen entsprechen den normalen Vorschriften für Speisewagen  mit Kohlenfeuerung. Der Wagen wurde durch die MITROPA “Mitteleuropäische Schlaf- und Speisewagen Aktiengesellschaft” aus Berlin mit Stützpunkt in Alp Grüm betrieben. Damit die Wagen ungehindert und ohne Schwierigkeiten auf der Berninastrecke eingesetzt werden konnten, mussten teilweise Kurvenradien angepasst und Felsen abgetragen werden.

Umbau und weitere Verwendung

Mit den beiden neuen Inbetriebsetzungsdaten 25.11.1944 und 26.11.1944  gelangten die beiden Speisewagen nach der Fusion zur Rhätischen Bahn.  Noch 1943 aber wurden die Wagen von der BB an die MITROPA verkauft und  in der eigenen Werkstätte Berlin-Falkensee zu vollwertigen RhB-Speisewagen mit Küche umgebaut.

In der RhB-Betriebswerkstätte Poschiavo wurden sie elektrisch und technisch an die Normalien der RhB angepasst. Nun befanden sich die Wagen komplett im Besitz der MITROPA, bevor sie dann 1949 an den Besitz der Rhätischen Bahn übergingen. In diesem Zuge erhielten sie auch neue Drehgestelle, welche 1969 durch FFA-Versuchsdrehgestelle mit Bremszahnrad ersetzt wurden.

Die Wagen wurden nämlich fortan im weltberühmten Glacier Express eingesetzt. Von St.Moritz bis Disentis auf dem Streckennetz der RhB. Von Disentis über den Oberalp- und Furkapass bis Reckingen auf dem Streckennetz der damaligen Furka-Oberalp Bahn. Der RhB-Speisewagen wurde dann jeweils in Reckingen von der bis Zermatt verkehrenden Komposition abgehängt und auf Gleis 1 gestellt.

Dort  wurde die Küche des Speisewagens durch einen von der Rhätischen Bahn gestellten Heizwagen mit Strom versorgt, bevor dieser dann der  entgegengesetzten Zugskomposition Zermatt-St.Moritz mitgegeben wurde.  Der RhB-Heizwagen in Reckingen wurde später durch einen Heizwagen der  Furka-Oberalp Bahn ersetzt. Die Speisewagen verkehrten später bis Brig.  Ein Einsatz zwischen Brig und Zermatt ist nicht zu verzeichnen.

Die FFA-Versuchsdrehgestelle gingen 1987 nach der Ausrangierung an die Speisewagen WR 3816/17. Noch vor der Verschrottung durch die RhB konnten  die beiden Wagen im Jahre 1990 an die damalig neu gegründete Dampfbahn  Furka-Bergstrecke abgegeben werden. Noch  lange danach waren die Wagen auf einem provisorischen Gleis in der Klus  bei Balsthal abgestellt. Die Inneneinrichtung im Bauhausstil wurde gesichert und konserviert. Nach einer Bestandesaufnahme wurde ein Projektplan erstellt. Man wollte einen speziellen Salonzug (Nostalgie Glacier/Pullman-Zug) für die Furka-Bergstrecke herrichten. Die Arbeiten  kamen aber nicht vorwärts und das Projekt wurde Ende 90er Jahre  aufgegeben.

Beide Wagen gelangten 1999 zurück zur RhB, da der Bedarf nach nostalgischen Speisewagen gestiegen ist. Aufgrund des schlechten Zustandes diente Wagen WR 3813 nur noch als Ersatzteilspender für den WR3814, der nach einer neunmonatigen Revision und Ausbau der Küche in der RhB-Hauptwerkstätte in Landquart als Saalwagen als WR-S 3814 auf dem  Netz der RhB dem Betrieb übergeben werden konnte. Der Wagen erhielt  zudem noch neue SIG-Drehgestelle. Die Küche des Wagen WR 3813 ging an  das Bahnmuseum Albula in Bergün. Der neue Saalwagen WR-S 3814 musste von  einem benachbarten Speisewagen bedient oder mit angeliferten Speisen versorgt werden.


WR -S 3820 im Jahre 2011 -  Quelle: Verein Pro Salonwagen / Foto R. Gisler

Äusserlich wurde der Wagen den Wagen des Alpine-Classic-Pulmann-Express angepasst. 2011 wurde der Wagen WR-S 3814 zum Pianobarwagen WR-S 3820 umgebaut. Ursprünglich sollte der WR 3813 zu einem solchem Wagen umgeabut werden. Aufgrund seines schlechten Zustandes erwies sich dieses Vorhaben als unmöglich. Der Pianobarwagen WR-S 3820 steht noch heute im Einsatz bei  der Rhätischen Bahn.

Chronik der Wagen:

  • B4ü 161 1928 Neu mit BB-Dachruten, Aufschrift "MITROPA", Speichenradsätze, Stangenpuffer
  • B4ü 162 1928 Neu mit BB-Dachruten, Aufschrift "MITROPA", Speichenradsätze, Stangenpuffer
  • B4ü 161 1943 Änderung Dr4ü 13 aus B4ü 161
  • B4ü 162 1943 Änderung Dr4ü 14 aus B4ü 162
  • Dr4ü 13 1944 Neu Dr4ü 13 aus BB B4ü 161, Kücheneinbau in Berlin (Verlust von 6 Sitzplätzen)
  • Dr4ü 13 1949 Änderung Eigentum RhB, neue Drehgestelle, Schriftzug Rh B, Entfernung BB-Dachruten
  • Dr4ü 13 1956 Änderung Dr4ü 3813 aus Dr4ü 13, Hülsenpuffer
  • Dr4ü 14 1944 Neu Dr4ü 14 aus BB B4ü 162, Kücheneinbau in Berlin (Verlust von 6 Sitzplätzen)
  • Dr4ü 14 1949 Änderung Eigentum RhB, neue Drehgestelle, Schriftzug Rh B, Entfernung BB-Dachruten
  • Dr4ü 14 1956 Änderung Dr4ü 3814 aus Dr4ü 14, Hülsenpuffer
  • Dr4ü 3813 1956 Neu Dr4ü 3813 aus Dr4ü 13
  • Dr4ü 3813 1964 Änderung WR 3813 aus Dr4ü 3813
  • Dr4ü 3814 1956 Neu Dr4ü 3814 aus Dr4ü 14
  • Dr4ü 3814 1964 Änderung WR 3814 aus Dr4ü 3814
  • WR 3813 1964 Neu WR 3813 aus Dr4ü 3813
  • WR 3813 1969 Änderung FFA-Versuchsdrehgestelle mit Bremszahnrad, Signet ohne Schriftzug Aufschrift "Restaurant"
  • WR 3813 1987 Ausrangiert an DFB (abgestellt in Klus, später in Aarau)
  • WR 3813 2003 Änderung Rückholung zu RhB, Abbruch (Küche Bahnmuseum Albula)
  • WR 3814 1964 Neu WR 3814 aus Dr4ü 3814
  • WR 3814 1969 Änderung FFA-Versuchdrehgestelle mit Bremszahnrad, Signet ohne Schriftzug Aufschrift "Restaurant"
  • WR 3814 1990 Ausrangiert an DFB (abgestellt in Klus, später in Aarau)
  • WR 3814 1999 Änderung Rückholung zu RhB, WR-S 3814 aus WR 3814
  • WR  3814 1999 Neu WR-S 3814 aus WR 3814, Neuanstrich kobaltblau mit  Aufschrift "GOURMINO", Rückversetzung in Originalzustand ohne Küche,
  • WR-S 3814 2000 Änderung Einbau Drehgestelle SIG90 zu Probezwecken
  • WR-S 3814 2010 Änderung WR-S 3820’’ Pianobarwagen aus WR-S 3814, Neuanstrich crème/kobaltblau

Legende:

BB: Berninabahn
RhB: Rhätische Bahn
DFB: Dampfbahn Furka-Bergstrecke
MOB: Montreux-Berner Oberland Bahn
MITROPA: Mitteleuropäische Schlaf- und Speisewagen Aktiengesellschaft
FFA: Flug- und Fahrzeugwerke, Altenrhein
SIG: Schweizerische Industriegesellschaft, Neuhausen am Rheinfall


Museum
Schweizerische Wagons- und
Aufzügefabrik AG Schlieren

Wagistrasse 13
CH-8952 Schlieren ZH

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Mittwoch vo 14:00 - 18:00
Jeden 2. Sonntag 14:00 - 18:00
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