Atomium Aufzug - WAGI Museum Schlieren

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Herzlich Willkommen im Museum der Schweizerischen Wagons- und Aufzügefabrik AG Schlieren
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Der schnellste Aufzug der Welt

Für das Atomium, das Wahrzeichen der Weltausstellung 1958 konnte sich  Schlieren gegen einen Mitbewerber durchsetzen und einen Schnellläufer nach Brüssel liefern. Es entstand der damals modernste und schnellste  Personenaufzug der Welt.

Da es sich bei dieser Anlage um einen Prototypen handelte konnte nur beschränkt auf Erfahrungswerte und herkömmliche Komponenten zurückgegriffen werden, so entstand faktisch ein wortwörtlich neuer Aufzug!



Diverse Komponenten wurden extra von uns für diese Anlage entwickelt, gebaut und eingehend in unserem Werk getestet. Es wurde für die verschiedenen Tests extra ein Versuchsstand gebaut wo auch die Originale Antriebsmaschine zusammengebaut und in Betrieb genommen wurde um im reduzierten Rahmen Fahrversuche mit Volllast simulieren zu können.

Damals wurde natürlich unsere Variotron-Steuerung  gewählt, nur das Beste war gut genug! Wir waren so stolz auf diese  Anlage das wir die Steuerung, also den Apparateschrank kurzerhand im  Erdgeschoss, ein paar Meter neben dem Aufzug installierten wo jedermann  durch Plexiglas hindurch der Steuerung mit ihren beiden blauleuchtenden Thyratron-Röhren bei der Arbeit zuschauen konnte.

Weiter haben wir über dem Apparateschrank und über jedem Zugang zum Lift ein "Höhenmeter" angebracht wo der aktuelle Standort des Aufzuges ersichtlich ist.

Auch speziell war, dass ein Teil des Kabinendaches aus Glas bestand, so konnten die mutigen (und Schwindelfreien) die Fahrt "live" miterleben,  ausgeleuchtet wurde der Schacht dafür mit einem Scheinwerfer der auf dem Kabinendach montiert war, dies ist auch heute noch der Fall!


v.l.n.r  Michel Barbey (damaliger Verkäufer des Atomium Aufzuges) und Christian  Mathys (damaliger Ingenieur für den mechanischen Teil).

Die benötigte Umformergruppe wurde im Untergeschoss des Atomiums installiert, unweit der beiden extra fürs Atomium angefertigten, 6m hohen Ölpuffer. Die Ölpuffer für die Überfahrt wurden gleich im Gegengewicht miteingebaut.

Diese Puffer haben die Aufgabe, bei einer allfälligen Unter- oder Überfahrt die Kabine so abzubremsen, dass die Passagiere in der Kabine maximalen Kräften von 1G ausgesetzt wären, dies kam aber natürlich nie vor! Zusätzlich installierte Kontrollmechanismen prüften  die Fahrt redundant so dass bei einer allfälligen drohenden Über- oder Unterfahrt das ganze System bereits im Voraus elektrisch zum Stillstand gekommen wäre.

Die Kabine und das Gegengewicht sind oberhalb mit 12 Tragseilen und unterhalb mit 11 Ausgleichseilen verbunden, Seilgewicht insgesamt 2,5t. Um angenehm auf die volle Geschwindigkeit zu gelangen und genau so angenehm auch wieder in den Stillstand zu kommen benötigt der Aufzug je 15m Weg, so fährt er mit voller Geschwindigkeit nur auf ca. 60m!



Um eine möglichst grosse Ausnutzung der zur Verfügung stehenden sechseckigen Schachtfläche zu erhalten wurde auch die Kabine sechseckig  gebaut, als Kabinen- und Schachtabschlusstüren kam unsere bewährte, mehrgliedrige Portaflex-Türe zum Einsatz, diese läuft seitlich der Kabine entlang und ermöglicht somit eine grosse Öffnungsbreite von 1m.

Nebst einer normalen Druckknopfsteuerung war es auch möglich, per Umschaltvorrichtung in der Kabine auf Liftiersteuerung umzuschalten. Somit konnte eine Begleitperson mittels Hebelsteuerung den Aufzug bedienen.

Das Atomium ist 102m hoch und besteht aus 9 Kugeln mit je 18m Durchmesser. Verfügt des Weiteren über eine eigene Notstromversorgung womit auch die Evakuiervorrichtung des Aufzuges  betrieben werden konnte die auf dem gleichen Maschinenrahmen angebracht war wie der Hauptmotor. Diese wird im Bedarfsfall manuell gekuppelt und so kann die Kabine mit reduzierter  Geschwindigkeit in die nächste Etage gefahren werden um die allenfalls eingeschlossenen Passagiere zu befreien.

Am 12. September 1957 konnte dann der Getriebelose Antrieb der komplett immerhin 12t wog, 4m lang, 1,2m breit und 2m hoch war vom Prüfstand gehoben werden und auf die Reise geschickt werden. Am 28. Oktober 1957 wurde dann die Maschine komplett in einem Stück in einer nur zweistündigen Aktion vom Boden auf das Atomium an seinen zukünftigen Platz gehievt.



Nun nach dem Einbau vor Ort im Atomium wurde die Anlage vor der offiziellen Freigabe erneut durch die entsprechenden Behörden auf Herz und Nieren  getestet. So wurden Fahrten mit Volllast ungebremst auf die Puffer, in Auf- und Abwärtsrichtung provoziert, die Fangvorrichtung die sowohl in Auf- wie in Abwärtsrichtung funktioniert hatte sich in Tests zu bewähren und die Evakuiervorrichtung wurde ebenfalls auf ihr korrektes funktionieren hin geprüft!

Ferner wurde die Anlage während 24h bei vollster Belastung rauf und runter geschickt. 90 Anfahrten pro Minute! Auch dieser Test erledigte unser Lift mit einem müden Lächeln!

Dann am 17. März 1958 wurde uns die Betriebsbewilligung erteilt und der  Aufzug nahm seinen Betrieb auf. Vorerst wurde er noch als "Baulift" benötigt, dafür wurde sogar die Nennlast von 1'600 auf 2'000kg erhöht, dies aber bei um 50% reduzierter Fahrgeschwindigkeit.

Am 17. April 1958 war es dann soweit und die Expo '58 öffnete ihre Tore! Unser Vorzeige-Lift hatte sich mit dem Ansturm von über 10'000 Personen am Tag zu bewähren was diesem Mühelos gelang. Schon nach 4 Monaten konnte der 1'000'000. Passagier befördert werden. Jeder Besucher wollte auf das Wahrzeichen  der Expo, auf das Atomium und kam so in den Genuss einer exquisiten  Liftfahrt! Sogar ein amtierender Bundesrat erwies unserem Bijou die  Ehre: Herr Paul Chaudet.

Wir haben interessierten WAGI-Mitarbeiter sogar eine Reise nach Brüssel angeboten. Für 160.-- konnte man die Weltausstellung vom 19.-22. Juni besuchen. Im Preis inbegriffen die Zugfahrt hin und zurück, das Hotel, der Eintritt sowie das Morgen-   und Nachtessen. Natürlich war das Highlight die Fahrt mit unserem  "Kollegen" aus Schlieren, sogar der Maschinenraum wurde Ausnahmsweise  für uns geöffnet!

Während 6 Monaten und 2 Tagen war die Expo '58  geöffnet! Wer jetzt aber  glaubt, am 19. Oktober 1958 wäre die Arbeit  getan gewesen wird eines  Besseren belehrt: Das Atomium wurde nicht wie  zunächst geplant nach der  Expo wieder rückgebaut, sondern es wurde zum Wahrzeichen von Brüssel  ähnlich dem Eiffelturm in Paris.

Im Lauf der Expo '58 kumulierte sich die rechnerisch erreichte Gesamthöhe des Aufzuges auf über 18'000km, dies würde den Sputnik II über 10x  übertreffen! (Eine der damaligen Werbeaussagen).



Die Originalantriebsmaschine verübte ihren Dienst rund 47 Jahre lang bis  sie  2005 durch einen neuen Antrieb ersetzt wurde. Die Steuerung selber wurde bereits 1983 altershalber ersetzt, wiederum durch eine Weltneuheit: Miconic V, eine zu der Zeit bahnbrechende neue Schindler-Entwicklung basierend auf Mikroprozessoren. Schindler Belgien lud damals für diesen Event über 600 Personen zu einer "Probefahrt" ein, nebst Planern, Architekten und Generalunternehmern auch Prominenz wie mehrere Bürgermeister und Minister.

Die Anlage wurde damals wie heute in vielen Fachzeitschriften und Zeitungen porträtiert, so u.a. auch von der NZZ (Separatdruck Nr.1943, 2. Juli 1958), der Schweizerischen Technischen Zeitschrift (Nummer 30/31, 24. Juli 1958) und natürlich wurde das Atomium auch in unserer Hauszeitschrift, den mehrmals erwähnt, im 42. und 44. erschienenen Heft sogar auf dem Titelbild!



Im März 2004 wurde das Atomium dann für einen grösseren Umbau geschlossen, nebst einer neuen Aussenhaut wurde auch der Aufzug umgebaut und diesmal wurde unserer Antriebsmaschine übel mitgespielt; Sie wurde mit dem Brennschneider in kleine Einzelteile zerlegt und durch eine neue  7t schwere Antriebsmaschine ersetzt.

Die Daten zur Anlage:

Tragkraft: 1'600kg / 22 Personen
Als Baulift: 2'000kg / 27 Personen
Fahrgeschw.: 5m/s
Als Baulift: 2,5m/s
Evakuierungsfahrt: 0.15m/s
Förderhöhe: 90.68m
Haltestellen: 3 (neu 4)
Zugänge: 3 (neu 4)
Gewicht Antrieb: 12t (neu 7t)
Dauer der Fahrt: 27s




Museum
Schweizerische Wagons- und
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